Die fotografierende Ethnologie

Die fotografierende Ethnologie – Eine Grundidee der Ausstellung

Die Fotografie begleitet die Ethnologie seit ihrer Erfindung. Zwar haben sich Stellenwert und Nutzung während dieser Zeit stark verändert und sich wechselnden Paradigmen angepasst, doch blieb die Fotografie der Ethnologie als dokumentierendes Werkzeug und Hilfsmittel im Feld stets erhalten. Die Ausstellung nimmt diese fotografierende Ethnologie in den Blick.

Bis heute würde sich kaum eine Ethnologin oder ein Ethnologe ohne Kamera im Gepäck auf Feldforschung begeben. So haben auch alle Teilnehmenden der 1972 – 1974 von Basel aus unternommenen Sepik-Expedition eine Kamera mitgeführt. Die Minoltas wurden vom Ethnologischen Seminar der Universität Basel zur Verfügung gestellt: Sie dienten auch einer erweiterten Dokumentation der in Basel bereits vorhandenen Objekte aus dem Sepik-Gebiet.

Während die Bildbestände, welche die fotografierende Ethnologie hervorbringt, stetig wachsen, bleiben diese Fotografien in einer mehrheitlich über die Schrift kommunizierenden Ethnologie oft nebensächlich. Als Beiwerk zu einem Text oder als kontextualisierende Veranschaulichung in einer Ausstellung haben sie vorwiegend illustrierende Funktion. Die Visuelle Anthropologie als ein Teilgebiet der Ethnologie, das sich explizit visueller Zeugnisse annimmt und diese bewusst ins Zentrum setzt, so wie auch fototheoretische Debatten scheinen die fotografierende Ethnologie bislang kaum zu tangieren.

Die Ausstellung KINDER IM AUGENBLICK versucht sich an einer umgekehrten Hierarchie von Text und Bild. Die Kuratorin Michèle Dick rückt einen fotografischen Bestand – einen Ausschnitt aus dem Werk der Basler Ethnologin und Ethnopsychoanalytikerin Florence Weiss – in den Mittelpunkt, der eigentlich nie als hauptsächliches Produkt der Forschung gedacht war. Sie fragt sich nach den Grenzen und Möglichkeiten fotografischer Wissensvermittlung und prüft den Zugang zu einem Feld, hier die Kinder Palimbeis zwischen 1972 und 1974, über die Fotografie. Dadurch wird nicht zuletzt die Eigenständigkeit der Fotografie gegenüber anderen Museumsobjekten hervorgehoben, und Fotografien werden gleichermassen als historische und soziale Objekte begriffen.

Das Ausstellungprojekt ist Teil der Dissertation der Kuratorin Michèle Dick über die Geschichte und Bedeutung der Fotografie für ethnologische Museen. Es wird angestrebt, die Nutzung von Fotografie für die ethnographische Museumspraxis einmal neu zu denken.