Verena Frauenfelder zum Gedenken (10.10.1927 – 14.10.2018)

Gebetstuch der Hazara, Afghanistan

 

Am 14. Oktober 2018 starb Vreni Frauenfelder, die Gründerin der Schaffhauser Afghanistanhilfe, im Alter von 91 Jahren.


1975 reiste die Apothekerhelferin zum ersten Mal und eher zufällig nach Afghanistan. Aus dieser Begegnung mit den Menschen im Land am Hindukusch entwickelte sich ein lebenslanges Engagement. Um die Mitte der 1980er Jahre riefen die afghanische Ärztin Sima Samar und Vreni Frauenfelder gemeinsam die Nichtregierungsorganisationen Shuhada ins Leben. 1988 folgte die Gründung der Schaffhauser Afghanistanhilfe. Beide Organisationen unterstützen lokale Kliniken, Schulen, Waisenhäuser und Landwirtschaftsprojekte. 2016 wurde Vreni Frauenfelder für ihr Lebenswerk mit dem Brandenbergerpreis ausgezeichnet.


Die Kernregion von Vreni Frauenfelders Tätigkeit war der Hazarajat im zentralafghanischen Hochland. Dessen Bewohner, die Hazara, eine ethnische Minderheit schiitischer Konfession, wurden wegen ihres Glaubens von der sunnitischen Mehrheit des Landes immer wieder bedrängt und verfolgt. Eines ihrer Identitätsmerkmale waren gestickte Gebetstücher, die sie zum Beten verwendeten. Als Dank für die empfangene Hilfe und vielleicht auch aus dem Wunsch heraus, diese Kulturdokumente bewahrt zu wissen, schenkten viele Hazarafamilien Vreni Frauenfelder über die Jahre zahlreiche solche Gebetstücher. Sie selbst verstand sich jedoch nie als Besitzerin, sondern stets als Treuhänderin dieser Objekte. Ihr Anliegen war es, die Tücher langfristig zu erhalten – als kulturelles Erbe und vor allem für die Nachkommen ihrer einstigen Herstellerinnen und Nutzer und Nutzerinnen.


Mit dieser Aufgabe betraute Vreni Frauenfelder das Völkerkundemuseum der Universität Zürich. Mit der Übernahme der Sammlung von rund 900 Gebetstüchern im Jahr 2012 verpflichtete sich das Museum, diese im Sinne der Schenkerin zu pflegen, in Ausstellungen oder Publikationen und der Forschung zugänglich zu machen und Möglichkeiten des Teilens mit den Hazara stets mitzubedenken.


Der Tod von Vreni Frauenfelder erfüllt uns mit Trauer. Wir wünschen den Angehörigen und dem Team der Afghanistanhilfe Schaffhausen viel Kraft, auf dass das Werk von Vreni Frauenfelder ihre wichtigen Projekte weiterhin beflügelt.


Die Direktion und die Mitarbeitenden des Völkerkundemuseums

 

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