Geschichte

Die Anfänge

Im Jahre 1887 erliessen in der Stadt Zürich sechzehn führende Männer aus Wissenschaft, Handel und Industrie einen Aufruf zur Gründung einer Ethnographischen Gesellschaft, als deren Zweckbestimmung die wissenschaftliche Pflege des Gesamtgebietes der Völkerkunde durch die Schaffung, Unterhaltung und Förderung eines ethnographischen Museums bezeichnet wurde. Entsprechend dieser wissenschaftlichen Zielsetzung der Gesellschaft sollte das neu zu gründende Museum eine Lehrsammlung werden, und als solche sollte sie einen allgemeinen Überblick über das Kulturgut der verschiedenen Fremdvölker vermitteln.

Der Aufruf fand begeisterten Widerhall. Am 23. Februar 1888 trat die konstituierende Versammlung zusammen, und schon im folgenden Jahr, am 1. Juni 1889, konnte das Museum im Kuppelraum des damaligen Börsengebäudes – als drittes ethnographisches Museum in der Schweiz – eröffnet werden. Den Grundstock bildeten die privaten, während eigener Forschungsreisen zusammengetragenen Sammlungen der Zürcher Professoren Otto Stoll, Conrad Keller und Hans Schinz sowie die von der Antiquarischen Gesellschaft überlassene Sammlung des Hofrates Johann Caspar Horner. Dieser Zürcher Forscher hatte als kaiserlich-russischer Hofastronom an der berühmten russischen Weltumsegelung unter Kapitän Krusenstern in den Jahren 1803 bis 1806 teilgenommen. Zu den genannten bedeutenden Sammlungen kamen einige kleinere hinzu, so diejenige des damaligen französischen Vizekonsuls in Zürich, Graf de Jouffroy d'Abbans, und etliche Gegenstände als Geschenk der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Ausserdem konnte ein Teil der wertvollen Sammlung des Zürcher Ingenieurs Alfred Ilg erworben werden, der am Hofe des Kaisers Menilek II. von Äthiopien als Minister gewirkt hatte. So erfasste das Museum schon von Anfang an weite ethnographische Regionen, nämlich Mesoamerika, Ozeanien, Ostasien, Nord-, Nordost- und Südafrika, Madagaskar und die Polargebiete.

In den 1890er Jahren erfuhr die Sammlung eine wesentliche Ausdehnung vor allem durch die Aufnahme von Kulturgut mehrerer Völker Zentral- und Südasiens sowie Nordamerikas und der Japan-Sammlung des Zürcher Kaufmanns Hans Spörri, zu deren Erwerbung Private, der Allgemeine Dozentenverein beider Zürcher Hochschulen, die Regierung des Kantons Zürich und die Schweizerische Eidgenossenschaft gemeinsam die Mittel aufgebracht hatten. Gleichzeitig wurde den Sammlungen auch eine Abteilung für schweizerische Volkskunde angegliedert, deren Kollektion aber später dem Schweizerischen Landesmuseum in Zürich übergeben wurde.

Im selben Jahrzehnt fand das Museum einen neuen, freilich ungeeigneten und eher unwürdigen Standort am Seilergraben und war während der Sommermonate nur an zwei Tagen in der Woche für je zwei Stunden gratis zur Besichtigung offen. Zu Ende des Jahrzehnts, 1899, schlossen sich die Ethnographische und die 1897 gegründete Geographische Gesellschaft zur Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft Zürich zusammen, in deren Besitz die Sammlung das Museum nun überging. Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts brachten einen gewissen Stillstand. Dennoch konnten dank Schenkungen von Auslandschweizern und einigen Ankäufen neue Sammlungsbereiche aufgenommen werden, so Indonesien, Australien und das Amazonasgebiet.

Anno 1913 erlebte das Museum eine entscheidende Wende. Die Geographisch-Ethnographische Gesellschaft schenkte das gesamte Sammlungsgut der Universität. Im folgenden Jahr wurde es in das Hauptgebäude der Universität an der Rämistrasse umgelagert.

Die Sammlung für Völkerkunde der Universität Zürich

Am 13. Dezember 1916 fand die Eröffnung des neuen Museums unter dem Titel «Sammlung für Völkerkunde der Universität Zürich» statt. Zweck und Aufgabe der neuen Institution wurden festgelegt entsprechend ihrer in der Schenkungsurkunde ausdrücklich formulierten Bestimmung, wonach die Sammlung für Völkerkunde in erster Linie «den Zwecken der Universität dienen soll ...». Massgebend waren dabei anthropogeographische und entwicklungsgeschichtliche Richtlinien. Das Sammlungsgut wurde nach Kulturprovinzen aufgegliedert und innerhalb dieser nach Kulturtypen angeordnet. Nach 1941 wurden vermehrt auch thematische Gruppierungen nach bestimmten Sachbereichen wie z.B. Religion, Kultus, Kunst, Kunsthandwerk, Tanzdrama, Musik vorgenommen. Diese beiden Konzepte blieben bis 1963 bestimmend.

Nach der Übernahme durch die Universität setzte unter der Direktion von Prof. Hans J. Wehrli eine neue Entwicklungsperiode des Museums ein. Sie war neben dem Ausbau schon vorhandener Sammlungsbereiche und der Aufnahme wertvollen Kulturgutes südasiatischer Völker als Schenkungen der Firma Diethelm und Co., Zürich-Bangkok, der Herren Prof. Hans J. Wehrli und Dr. Hans E. Kauffmann (Naga) sowie des thailändischen Prinzen Sanidh Rangsit vor allem geprägt durch einerseits den Aufbau einer wertvollen Indien-Nepal-Tibet-Sammlung dank der intensiven Hilfe des Zürcher Verlegers Dr. Martin Hürlimann, des Hochschulfonds und der Stiftung für wissenschaftliche Forschung, anderseits durch die mittels Beiträgen öffentlicher und privater Gönner finanzierte Übernahme der berühmten afrikanischen Kunstsammlung Hans Coray. Damit hatte die Sammlung neue Schwerpunkte erhalten.

Diese reiche Entfaltung setzte sich 1941 unter dem nachfolgenden Direktor Prof. Dr. Alfred Steinmann fort. Seinem Weitblick und seiner genialen Sammlerbegabung verdankt das Museum den trotz vieler Schwierigkeiten systematischen Ausbau des Sammlungsgutes in allen Bereichen, vor allem aber hinsichtlich der religiösen Kunst, des Kunsthandwerks und der Ornamentstile aussereuropäischer Völker sowie die Entwicklung der Indonesiensammlung zu einem bedeutenden Bestandteil des Museums. Ausserdem konnte 1957 die wertvolle Sammlung des Zürcher Ingenieurs Alfred Ilg erworben werden, der zwischen 1879 und 1906 im Dienste des Kaisers Menilek II. von Äthiopien stand und als dessen enger Berater zum «Staatsrat im Range einer Excellenz» ernannt wurde.

Seit Anbeginn war das Museum mit Forschung und Lehre eng verbunden gewesen. Schon 1874 hatte Wilhelm Wundt an der Universität Zürich über Völkerpsychologie gelesen und damit einen heute wieder aktuellen Forschungsbereich der Ethnologie erfasst. Zehn Jahre später, 1884, habilitierte sich Otto Stoll, der erste Direktor des Museums, für Ethnologie und Anthropologie an der Universität und bald darauf auch an der Eidgenössischen Technischen Hochschule. Damit waren diese beiden Hochschulen die ersten in der Schweiz, an denen Ethnologie offiziell gelesen wurde. Otto Stoll erfüllte das Pensum in wahrhaft umfassender Weise, schloss doch sein Lehrgebiet gleichermassen Ethnographie, schweizerische Volkskunde, Ethnosoziologie, Linguistik, Anthropologie und Geographie ein, und zwar auch dann noch, als er zum Ordinarius für Geographie ernannt wurde. Auch seine Nachfolger, Rudolf Martin und Hans J Wehrli, waren noch so genannte Universalgelehrte; Martin war allerdings mehr auf die physische Anthropologie fokussiert. Mit der Zeit jedoch entwickelten sich einzelne Fächer zu Lehr- und Forschungsbereichen mit eigenen Lehrstühlen und Instituten. So wurde die Ethnologie nach Wehrlis Rücktritt 1941 von der Geographie in einen eigenen Fachbereich getrennt, der damals vom Privatdozenten Dr. Alfred Steinmann betreut wurde, der zugleich Direktor der Sammlung für Völkerkunde war. Die Ethnologie aber blieb mit der Geographie verbunden im Sinn einer Ergänzung des Studiums der physikalischen Beschaffenheit der Erde durch das Studium menschlicher Kulturen, die ja stets in einer bestimmten geographischen Umwelt in Erscheinung treten.

Das Völkerkundemuseum der Universität Zürich

Nach dem Rücktritt von Professor Alfred Steinmann 1963 widmete sich sein Nachfolger Prof. Dr. Karl H. Henking neben dem von ihm selbst stark erweiterten universitären Lehrangebot vornehmlich einem grossen Ziel: dem Ausbau der Sammlung in finanzieller, personeller, struktureller und räumlicher Hinsicht zu einem «ausgewachsenen Museum», dem die Behörden schliesslich zustimmten.

Im Jahre 1971 wechselte die Sammlung für Völkerkunde von der Philosophischen Fakultät II (heute Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät) in die Philosophische Fakultät l hinüber und erhielt gleichzeitig den Namen «Völkerkundemuseum der Universität Zürich».

Damit wurden auch die Vertiefung bisheriger und die Aufnahme neuer Zielsetzungen möglich. Sie sind auf die sieben unten aufgeführten Entwicklungslinien ausgerichtet, wobei die Reihenfolge nichts aussagt über die Gewichtigkeit des betreffenden Arbeitsbereiches:

  • Systematische Vervollständigung der schon vorhandenen Bereiche des Sammlungsgutes
  • Ausbau der Bibliothek zu einem wirksamen wissenschaftlichen Medium
  • Durchführung systematischer wissenschaftlicher Forschungen und Lehrveranstaltungen
  • Anlegen von Materialien für die universitäre Lehre und für den Unterricht an Schulen
  • Durchführung von Ausstellungen
  • Intensivierung des Kontaktes und der Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Museen und fachnahen Institutionen
  • Gründung einer eigenen wissenschaftlichen Publikationsreihe

Schon bald nach der Eröffnung des neuen Völkerkundemuseums am 2. Mai 1972 in seinen bisherigen, aber renovierten Räumen im 2. Stock des Hauptgebäudes der Universität erwies sich dieser Standort als wenig publikumsfreundlich. Der Kanton entschied sich relativ schnell dafür, für das Museum einen neuen Standort zu suchen und fand ihn in den verlassenen Gebäuden des Botanischen Institutes im Alten Botanischen Garten der Universität Zürich, nachdem die Botaniker einen neuen und grösseren Botanischen Garten beziehen konnten. Nach zweijähriger Bauzeit mit Renovationen, Um- und Neubauten wurde das Museum im Spätsommer 1979 an seinen neuen Standort verlegt und am 31. Oktober 1980 offiziell eröffnet.

Kurze Zeit nach der Hundertjahrfeier 1989 bahnte sich wieder ein Direktionswechsel an: Im Oktober 1990 trat Karl Henking nach 27 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand und ein Jahr später übernahm Prof. Dr. Michael Oppitz die Direktion. Er setzte seine Akzente in einer Ethnologie der Genauigkeit. Mit dem von ihm eingeführten neuen Lehr- und Forschungsbereich Visuelle Anthropologie wurde dem stehenden und bewegten Bild vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, was auch zu einigen, teils rein fotografischen Ausstellungen führte. Zudem wurden damit begonnen, die Sammlungen an Fotos, Dias und Filmen zu inventarisieren und zu archivieren.

Nach seinem Rücktritt altershalber im Januar 2008 wurde Prof. Dr. Mareile Flitsch an die Universität berufen und noch im selben Jahr als neue Direktorin des Museums gewählt. In ihrer Antrittsrede am 6. April 2009 lenkt sie den Fokus ihrer neuen Tätigkeit auf «Des Menschen Fertigkeit», was in den 1970er Jahren im damals neuen Völkerkundemuseum „schon vorgedacht“ worden sei, «zum Beispiel in [der Eröffnungsausstellung von 1972] Des Menschen Angesicht, und in den zahlreichen Folgeausstellungen […], in denen der Mensch und sein Können im Mittelpunkt standen». Im Museum soll zukünftig «versucht werden, in Sammlung, Forschung und Lehre und im Dialog mit der Öffentlichkeit, ‹Des Menschen Fertigkeit› aus immer anderen Blickwinkeln ins Visier zu nehmen».

Das Sammlungsgut

In konsequenter Weiterführung der von den früheren Direktoren Prof. Wehrli und Prof. Steinmann gelegten Grundlagen bildet heute die Dokumentation religiösen, künstlerischen und handwerklichen Schaffens, die Abbildung des praktischen Wissens ferner Kulturen, das charakteristische Merkmal der Sammlungen des Museums. Entsprechend dieser Thematik ist die Institution schon längst kein Museum für Völkerkunde im herkömmlichen Sinn mehr, sondern ein Zentrum für die Erforschung und Darstellung von religiösem Denken und Handwerk, des Entschlüsselns des in Artefakten, Bild, Film, Ton und mündlicher Überlieferung verwahrten Wissens der Kulturen der Welt. Diese streuen sich über den gesamten Erdkreis, doch bilden folgende Weltgegenden Schwerpunkte der Sammlung:

  • West- und Zentralafrika, Äthiopien
  • Himalayaländer, insbesondere Tibet
  • Indien (mit einem Fokus auf Nordostindien, Nagaland)
  • Südostasien, vor allem Indonesien
  • Ozeanien, vor allem Melanesien
  • Australien
  • Amazonien und Andengebiete
  • Mesoamerika teilweise
  • Prärie- und Plainsgebiete Nordamerikas
  • Polargebiete

Stets wird beim Erwerben von Sammlungsgegenständen genau auf die Qualität, die historische, handwerkliche oder künstlerische Aussagekraft, die ikonographische Bedeutung und die Erlesenheit der Gegenstände geachtet, um sowohl inhaltlich-sachlich als auch handwerklich und künstlerisch-stilistisch nur Objekte bester Qualität ins Museum aufzunehmen, die geeignet sind, die bisherigen Bestände zu vervollständigen und zusammen mit diesen wie auch mit den in den Archiven verwahrten Dokumenten eine systematisch angelegte Objektquelle für die wissenschaftliche Forschung und die Präsentation ihrer Ergebnisse zu schaffen.

Heute umfasst das Sammlungsgut mehr als 30'000 Artefakte aus den Sachgebieten:

  • Kultische Kunst, Magie, Ritualistik und Symbolik
  • Ergologie mit Betonung der Holzschnitzerei, Textilkunst, Metallgiesserei und Keramik
  • Objekte schamanistischer Traditionen, Ikonographie des Hinduismus, des Buddhismus, des frühen Christentums und verschiedener ethnischer Religionen in Asien, Afrika, Indonesien, Ozeanien, Australien und Amerika

Zusätzlich beheimatet das Museum eine Sammlung für visuelle Anthropologie mit dem Bildarchiv mit etwa 40'000 historischen Fotografien, mit einem Video- und Filmarchiv mit inzwischen 3'500 Titeln, das 2008 eingerichtete Schriftarchiv des Völkerkundemuseums der Universität Zürich sowie das kürzlich eingerichtete Tonarchiv.

Die Bibliothek

Die Anlage einer Handbibliothek war schon 1895 begonnen worden. Diese wurde ab 1917 zu einer ethnographischen Fachbibliothek im engeren Sinn mit zugeordnetem Bildarchiv ausgebaut und umfasst zurzeit über 35'000 Werke, mehrere Dutzend wissenschaftliche Zeitschriften und alle wichtigen Nachschlagewerke.

Die im Sammlungsgut wie auch in Forschung und Lehre vertretenen thematischen und regionalen Fachbereiche finden sich in den Beständen der Bibliothek belegt. Innerhalb dieses Rahmens zeichnen sich bestimmte Schwerpunkte ab, zum Beispiel hinsichtlich monographischer Quellenwerke über verschiedene Religionen, speziell indianischer und afrikanischer Provenienz sowie des Himalayaraumes, magisch-okkulter Vorstellungen, religiösem hinduistischen Brauchtum, Geschichte, Philosophie, Symbolik und Praxis des Buddhismus, synkretistischer religiöser Bewegungen, ferner hinsichtlich ethnohistorischer Quellenwerke und ergologischer und kulturgeschichtlicher Fachliteratur im Bereich der Handwerke. Ein neuer Sammlungsschwerpunkt ist die Ethnologie Chinas, die langfristig in eine eigene – vornehmlich mit chinesischsprachiger Fachliteratur bzw. mit Fachliteratur in den Sprachen der 56 Völker Chinas ausgestattete – Fachbibliothek münden soll. Doch greift die Bibliothek in einigen Sachgebieten über diese Thematik hinaus, enthält sie doch eine Abteilung über Museologie, eine Gruppe ausgewählter populärwissenschaftlicher Literatur und spezieller Arbeits- und Studienbücher für Schulklassen.

Die Titel unserer Bibliothek sind online abzurufen und für jedermann ausleihbar. Seit dem Einzug des Museums in den Alten Botanischen Garten steht ein Lesesaal mit 20 Arbeitsplätzen für Studierende zur Verfügung.

Forschung und Lehre

Als Forschungs- und Lehrmuseum der Universität Zürich ist das Völkerkundemuseum ein Ort, in dem Weltkulturerbe für die Forschung verantwortungsvoll verwahrt, so weit wie möglich digital erschlossen, der Forschung und Lehre zugänglich gemacht werden soll. Bei uns wird forschendes Lehren und Lernen praktiziert.

Dem Quellenmaterial wie auch den fachlichen Ausrichtungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums entsprechend, liegen die Schwerpunkte unserer wissenschaftlichen Arbeit wie auch unserer Lehre im religionsethnologischen, kunststilistischen, kunst- und kulturgeschichtlichen und technikethnologischen Bereich, wobei immer wieder auch soziologische und psychologische Fragen des Kulturwandels und der Akkulturation Berücksichtigung fanden und finden. Damit werden – unter immer neuen Blickwinkeln – Forschungsbereiche berührt, in denen am Museum schon vor Jahrzehnten grundlegende Arbeiten ausgeführt worden sind.

Unter Prof. Michael Oppitz, Direktor des Völkerkundemuseums von 1992 bis 2008, wurde am Völkerkundemuseum der Schwerpunkt Visuelle Anthropologie eingerichtet, der seitdem in Forschung und Lehre kontinuierlich weiter entwickelt wird. Eine Besonderheit der Lehre ist die Möglichkeit, zu einer Abschlussarbeit auch einen Film zu erstellen. Die Abteilung Visuelle Anthropologie sorgt hier für die entsprechende Vermittlung der wissenschaftlichen und technischen Grundlagen.

Eine Besonderheit am Völkerkundemuseum ist die Lehrforschung im Fachgebiet Museologie, als theoretisch-wissenschaftlicher Erörterung des Phänomens Museum und als Entwicklung und Ausarbeitung praktikabler Grundlagen für den Aufbau, die Zielsetzung und die Wirkungsweise eines Museums. In dieser Hinsicht sind seitens des Museums seit Jahren im Rhythmus der Ausstellungen immer wieder auch universitäre Kurse, innerhalb derer auch Ausstellungen konzipiert wurden, mit Erfolg durchgeführt worden. Den kleinen Gruppen von Studierenden werden Restauratoren, Grafiker, Fotografinnen, Ausstellungsgestalter des universitären Ausstellungsdienstes, Wissenschaftler sowie die Dienste des Museums und je ein eigenes Budget zur Verfügung gestellt, so dass die Erarbeitung ihrer Ausstellungen einem auf aktuellem Forschungsstand basierten, ausgesprochen praxisnahen forschenden Lernen entspricht. Dieses Modell konnte inzwischen erfolgreich in die Bachelor- und Masterstufe integriert werden.

Neu ist am Völkerkundemuseum seit 2008 eine besondere Konzentration auf die Entschlüsselung praktischen Wissens in den Kulturen, eine Fokussierung auf das Thema Könnerschaft, auf die Tradierung von Wissen, auf die Konfrontation überkommenen Wissens mit der Moderne. Hier kommt der Forschung, Lehre, Sammlung und Öffentlichkeitsarbeit des Museums besonders zugute, dass wir eigene Restaurierende in die Erschliessung praktischen Wissens und technischen Könnens ferner Kulturen mit einbeziehen und so besonders technik- und materialnah forschen können.