Reihe Alltagskulturen Chinas

Band 6 / Constructing, Creating and Contesting Cityscapes.

Kobi

A Socio-Anthropological Approach to Urban Transformation in Southern Xinji

Madlen Kobi analyzes the architectural and socio-political transformation of public places and spaces in rapidly urbanizing southern Xinjiang, P.R. China, and in doing so pays particular attention to the cities of Aksu and Kaxgar. As the Xinjiang Uyghur Autonomous Region lies in between China and Central Asia, it is especially characterized by differing political, cultural, and religious influences, and, furthermore, due to its being a multiethnic region, by multiple identities. One might expect cultural and social identities in this area to be negotiated by referring to history, religion, or food. However, they also become visible by the construction and reconstruction, if not demolition, of public places, architectural landmarks, and private residences.

 

Based on ethnographic fieldwork performed in 2011 and 2012, the study explores everyday life in a continuously transforming urban environment shaped by the interaction of the interests of government institutions, investment companies, the middle class, and migrant workers, among many other actors. Here, urban planning, modernization, and renewal form a highly sensitive lens through which the author inspects the tense dynamics of ethnic, religious, and class-based affiliations. She respects varieties and complexities while thoroughly grounding unfolding transformation processes in everyday lived experiences. The study provides vivid insights into how urban places and spaces in this western border region of China are constructed, created, and eventually contested.

Das Buch ist nur in englischer Sprache erhältlich. Mehr dazu beim Harrassowitz Verlag: http://www.harrassowitz-verlag.de/title_1559.ahtml

 

Band 5 / Mala tang / Lena Kaufmann


Alltagsstrategien ländlicher Migranten in Shanghai

Gegenwärtig ziehen jedes Jahr Millionen von chinesischen Wanderarbeitern vom Land in die Städte. Doch wie sieht das Alltagsleben dieser Arbeitsmigranten jenseits von Zahlen und Statistiken aus? Wer sind sie und welche sind die täglichen Strategien, mit denen sie im ungewohnten Stadtleben ihr wirtschaftliches und soziales Überleben sichern? Auf der Basis von ethnographischem Datenmaterial geht Lena Kaufmann diesen Fragen am Beispiel eines kleinen, familienbetriebenen Straßenrestaurants in Shanghai, in dem mala tang – scharf gewürzte Nudelsuppe – hergestellt und vertrieben wird, auf den Grund. Im Fokus stehen dabei das praktische Wissen und die Fertigkeiten der untersuchten Migranten und die Frage, wie diese im täglichen Arbeitsleben zum Einsatz kommen und die konkrete Migration prägen. Ausgehend von einer "Schüssel Suppe" wird so ein kleiner, aber dynamischer Ausschnitt aus der chinesischen Binnenmigration nachgezeichnet und ein empirischer Beitrag zu unserem Verständnis von Migrationsphänomenen geliefert. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Untersuchung von Migration aus einer wissensorientierten Perspektive heraus es nicht nur erlaubt, der Logik und Dynamik von Migrationsprozessen ein Stück näher zu kommen, sondern andererseits auch dazu anregt, Migranten nicht als gering qualifizierte, gesichtslose Masse, sondern als Menschen mit wertvollen Qualifikationen und Fertigkeiten wahrzunehmen, die ihren Migrationsprozess aktiv mitgestalten.

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Band 4 / Uniform in der Kulturrevolution? / Iris Hopf


Über den Zusammenhang von Schnitttechnik und Ideologie im China der 1960er und 1970er Jahre

Das Bild uniform gekleideter Menschenmassen prägt bis heute die Erinnerung an die chinesische Kulturrevolution (1966-1976). Diese Uniformierung wird gern als Zeichen politischer Unterdrückung interpretiert. Tatsächlich sind formelle wie auch informelle Uniformierungen jedoch auch in modernen Industriegesellschaften eine häufige Erscheinungsform des Spannungsfelds von Zugehörigkeit und Abgrenzung im Rahmen widerstreitender Identitätskonstruktionen. Welche Ziele verfolgte Uniformierung in der Kulturrevolution? War die uniforme Kleidung "von oben" verordnet oder entstand sie als Mode "von unten"? War sie Folge wirtschaftlicher Notwendigkeiten oder politischen Kalküls? Iris Hopfs Untersuchung zum Zusammenhang von Schnitttechnik und Ideologie in China führt in die wirtschaftlichen und technischen Grundlagen der kulturrevolutionären Kleidungsfertigung ein und zeichnet die Geschichte der chinesischen Kleidung seit der Wende zum 20. Jahrhundert im Kontext der kulturellen und politischen Entwicklungen nach. Anhand kulturrevolutionärer Schnittbücher wird untersucht, welche Techniken in den 1960er und 1970er Jahren für die Erstellung der Schnitte und die Fertigung der Kleidungsstücke verwendet wurden. Ein Abgleich der Schnittmuster mit Darstellungen bekleideter Körper auf Propagandapostern und -fotografien offenbart, welche Kleidungsformen welche ideologischen Inhalte implizierten und visuell transportierten. Hopf macht mit ihrer Analyse deutlich, dass die Interpretation von Uniformierung als Zeichen politischer Unterdrückung zu kurz greift und dass Ursachen und Ausdrucksformen uniformer Kleidung in der chinesischen Kulturrevolution vielmehr komplex und uneinheitlich waren.

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Band 3 / Die Arshe / Kerstin Grothmann


Arbeitslieder aus dem traditionellen tibetischen Bauhandwerk

Die tibetische Volksliedtradition ist reich an Arbeitsliedern. Bis vor kurzem begleiteten sie nahezu alle gemeinschaftlichen Arbeitsprozesse und dienten dabei keineswegs nur der Unterhaltung und Kurzweil, sondern vor allem der rhythmischen Koordination der Arbeit. Mit der Modernisierung der materiellen Textur des Alltags gehen heute in Tibet traditionelles Wissen und Fertigkeiten und damit auch die Bindung von Liedern in der Arbeit allmählich verloren. Ebenso haben politische Kampagnen mit ihrer meist verordneten Religionsfeindlichkeit deutliche Spuren in der Überlieferung hinterlassen. Im Fokus von Kerstin Grothmanns Untersuchung stehen die Arbeitslieder des tibetischen Bauhandwerks. Auch wenn das traditionelle Aufbringen von Dach- und Bodenbelägen auf tibetischen Häusern heute nur noch selten durchgeführt wird, sind die dabei gesungenen Lieder – die "Arshe" – aus dieser Arbeit nicht wegzudenken. Grothmann bietet eine Einführung in die unterschiedlichen Arbeitsschritte und zeigt, wie Melodie und Rhythmus in der Arbeit zum Tragen kommen. Die kommentierte Übersetzung einer Liedauswahl erschließt den Reichtum an Bildern, Motiven und Handlungen in den Liedtexten, die oft literarischen Vorlagen entstammen und deren religiöse aber auch wissenspraktische Botschaften durch das Singen in das Alltagleben integriert und über Generationen hinweg weitergegeben werden.

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Band 2 / Ein Jahrhundert Licht / Dr. Xiujie Wu


Eine technikethnologische Studie zur Beleuchtung im chinesischen ländlichen Alltag

Die Arbeit konzentriert sich auf die Frage, in welcher Weise die künstliche Beleuchtung die Lebensgewohnheiten und Lebensumstände der Bauern in Nordchina verändert hat. In dieser Region haben sich im letzten Jahrhundert gewaltige technische Neuerungen vollzogen, die von der Öllampe über die Petroleum-Lampe bis zum elektrischen Licht reichen. In ihrer Studie zeigt die Autorin auf, dass sich durch die neuen Möglichkeiten, die eine künstliche Erleuchtung des Raums mit sich brachte, nicht nur die zeitliche und räumliche Wahrnehmung der Bauern verändert hat, sondern auch ihr soziales Leben. Es wird verdeutlicht, dass auch die Erforschung einer scheinbaren Nebensache aus dem wissenschaftlich häufig vernachlässigten Bereich des Alltagslebens dazu beitragen kann, das Verhalten und die Gedanken, die Vorstellungen und die Wahrnehmung der Menschen in einem technischen-sozialen Prozess besser zu erkennen und zu verstehen. Für ihre Studien hat die Autorin in den Jahren 2003 und 2004 in zwei Dörfern in Dingzhou in der Provinz Hebei umfassende Feldforschung betrieben und sich zudem eingehend mit schriftlichen Dokumenten zur Lokalgeschichte Dingzhous befasst.

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Band 1 / Die Verkleinerung der Yakhautboote / Diana Altner


Fischerkulturen in Zentral- und Südtibet im sozioökonomischen Wandel des modernen China

Bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts gehörten Yakhautboote als Fähr- oder Fischerboote zu den Wahrzeichen der Flüsse in Zentraltibet. In einigen entlegenen Regionen gab es Tibeter, die mangels anderer Ressourcen und trotz ihrer sozialen Ächtung als Fischtöter im buddhistischen Tibet dem Fischfang nachgingen. In ihrer Studie widmet sich die Autorin dem Fischereiwesen in Zentral- und Südtibet. Am Beispiel des letzten Fischerdorfes dieser Region zeichnet sie den Prozess des Wandels von der Yakhautbootfischerei mit einfachen Netzen für einen kleinen Markt über eine Phase der modernisierten Fischerei mit modernen Kiemennetzen für urbane Fischmärkte bis hin zur Überfischung und zum Niedergang der Fischerei nach. Das Yakhautboot erscheint dabei wie ein Indikator für den Weg der Fischer in die Moderne: Im Zuge der beschleunigten politischen, sozialen und ökonomischen Transformation ihres Alltags ist es geradezu geschrumpft. Heute vielfach nur noch als handgroßes Modell für Touristen verkauft, erinnert es an eine Nische im Ökosystem Tibets, deren Bewohner im Zuge des Baus einer Straße zum Flughafen eher zufällig in die Moderne katapultiert wurden, in der sie sich nun zurecht finden müssen.

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