Wer besuchte die Sammlung für Völkerkunde vor 100 Jahren?

Bild: Erste Seite des Heftes „Besuch der Sammlung“, 1916-1939, Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Inv.-Nr. S/C/0024
Bild: Erste Seite des Heftes „Besuch der Sammlung“, 1916-1939, Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Inv.-Nr. S/C/0024
Bild: Erste Seite des Heftes „Besuch der Sammlung“, 1916-1939, Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Inv.-Nr. S/C/0024

Wer besuchte die Sammlung für Völkerkunde vor 100 Jahren?

1915, vor mehr als 100 Jahren, bezog die völkerkundliche Sammlung ihre Räume im neuen Turm der UZH. Die Sammlung wurde der Universität 1914 von der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft Zürich geschenkt – mit dem Auftrag, ihren Charakter als Unterrichtssammlung zu bewahren.

Das Schriftenarchiv des Völkerkundemuseums bewahrt schriftliche Quellen und weiteres Material, das für die Erforschung der Entstehungs- und Sammlungsgeschichte des Museums wichtig ist. Im Bestand „Akten der Direktion und Verwaltung“ befindet sich ein kleines, unscheinbares Heft mit dem Titel „Besuch der Sammlung“, der ursprüngliche Titel „Schulen und Vereine“ ist durchgestrichen, wird aber in den Überschriften im Heft verwendet.

Das Heft listet säuberlich die Schulen und Vereine auf, die die Sammlung für Völkerkunde zwischen dem 14. Dezember 1916 und Dezember 1939 besuchten. Die offizielle Eröffnung hatte am 3. Dezember 1916 stattgefunden. Die Öffnungszeiten waren auf Montag- und Donnerstagnachmittag, den letzten Sonntagmorgen des Monats (unentgeltlich) sowie Dienstag, Mittwoch und Freitag (Gebühr 0.50 Rp. pro Person) festgesetzt.

Bereits die erste Seite des Heftes stellt die unterschiedlichen Besucher-Gruppen vor: von der Primarschule zum Gymnasium, von der Kunstgewerbeschule zur Postabteilung der Gewerbeschule. Zwei Vereine besuchten die Sammlung, der Grütli-Verein (ein Handwerker- und Arbeiterverein, der 1916 gerade aus der Sozialdemokratischen Partei ausgetreten war), und ein Verein für Körperkultur. Blättert man durch das Heft, liest man von weiteren Vereinen wie Samariter-Verein, Landwirtschaftlicher Verein Rüti, Männerchor Enge, Pfadfinder. Prof. Hans Wehrli, damals der erste in Ethnologie ausgebildete Direktor und ausgesprochen an Lehrsammlungen interessiert, bot Führungen u.a. für den Pestalozziverein an. Des Weiteren fanden Zeichnungsschüler, ungarische Studenten (Februar 1922) und sogar Soldaten vom Bataillon 45 (Mai 1919) den Weg in die Sammlung. Der letzte Eintrag bezieht sich auf 1939, als 918 Schüler und Vereinsmitglieder die Sammlung besuchten. Die gesamten Besucherzahlen stiegen von 2033 im Jahr 1917 auf 4667 im Jahr 1939, wie andere Unterlagen im Schriftenarchiv belegen.

Gitta Hassler, VMZ-Schriftenarchiv