Lehrveranstaltungen WS 2005/2006 im Völkerkundemuseum

weitere Veranstaltungen sowie die Einführungskurse finden Sie auf der

Homepage des ethnologischen Seminars.

 

ACHTUNG:

Die von Prof.Oppitz ursprünglich angebotenen Veranstaltungen finden wegen eines Forschungssemesters nicht statt!
 

 

Brauen, Martin

Herrschen durch Reinkarnation: Das tibetische Tulku-System

Seminar
Mo 14–16 Uhr,
2-wöchentlich.

Beginn: 7.11.05

Der tibetische Buddhismus ist bekannt für eine Art von «Emanation», die andere buddhistische Schulen nicht kennen: Die Tulkus. Dies sind geistig entwickelte Wesen, die willentlich menschliche Form annehmen, um zum Nutzen der leidenden Kreaturen segensreich tätig zu sein. Tibets Gläubige sind der Ansicht, dieses Reinkarnationssystem gehe auf früh-buddhistische Zeiten zurück. Eine genaue Analyse zeigt jedoch, dass das System wohl ca. im 11. Jahrhundert in Tibet «erfunden» wurde, um bestimmten Lehrinhalten zum Durchbruch zu verhel-fen. Es ging demnach in erster Linie um die Verbreitung von Glaubensinhalten, die man für die einzig richtigen hielt, und um die Etablierung dieser Inhalte. Das Tulku-System festigte somit die Vormachtstellung bestimmter «Kongregationen» und ihrer Lehren.

Im Seminar wollen wir einzelne dieser Tulku-Systeme, die sich mit der Zeit neben-einander entwickelten, kennen lernen (vor allem diejenigen der Karmapa, Sakyapa und Gelugpa mit dem System der Dalai Lamas) und auch der Frage nachgehen, ob die angestrebte glaubensmässige Vormachtstellung auch politische Ursachen und/oder Implikationen hatte. Die im Völkerkundemuseum der Uni ab 4. August zu sehende Ausstellung «Die Dalai Lamas» wird Anschauungsmaterial bieten, auf das im Seminar zurückgegriffen werden kann und soll.

Voraussetzungen: Bereitschaft, ein Referat zu halten. Auch Studierende der Religionswissen­schaft können am Seminar teilnehmen.

Literatur: Eine Liste und ein Handapparat werden in der Bibliothek des VKM ab Juli aufliegen.

Statt wöchentlich eine Stunde führen wir das Seminar an sieben oder acht Montagen 2-stündig durch, d. h. jeweils Montag von 14.15 bis 16.00 Uhr, im Schulraum des Völkerkundemuseums der Universität, Pelikanstrasse 40. Erstes Treffen am 7. November 2005. Die weiteren Doppelstunden werden wir beim ersten Treffen festlegen.


Wer sich bereits vor dem 7. November für ein Referat einschreiben möchte, melde sich bitte bei Martin Brauen (044 634 90 27 oder brauen@vmz.unizh.ch) oder bei Renate Koller (044 634 90 31 oder rekoller@vmz.unizh.ch).

 

 

Szalay Miklós

Kunstethnologie I

Proseminar
Mo 16–18


Einführender Teil eines dreisemestrigen Zyklus. In diesem Semester geht es um die kunstethnologischen Grundbegriffe und Betrachtungsweisen. Im nächsten Semester steht der Primitivismus in der abendländischen Kunst vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart zur Diskussion. Im dritten Teil des Zyklus setzen wir uns mit einem aktuellen kunstethnologischen Thema auseinander. Keine Teilnahmebeschränkung.
 

 

Dallais, Philipp

Visuelle Anthropologie

Proseminar
Do 10–12


Photography, images and alterity: colonial visions, ethnographic fieldwork, tourism, heritage, and new discourses

The aim of this proseminar is to provide students with an introduction to and an overview of the importance of still images in anthropology through the metho-dological approaches of its subdiscipline called visual anthropology. We will analyse the status, the use, the social, cultural and economic function of the still images in the Digital Age. Photographs are now fully acknowledged as an important medium and as part of artistic, historic, and ethnographic heritage. If the photography status in anthropology was the subject of various debates concerning authenticity, etc., the representation of the Other remains a central theme, ranging from the un-canny Other to a variety of stereotypes.

We will investigate the power of the two-dimensional images and their relation to text and visual consumption. Our interrogations may move between such diverse topics as colonial or mission-ary photography to comics and Internet. Participants will be encouraged to deliver creative presentations and to develop critical and theoretical analysis in the field of visual studies.

Introductory reading list:

Edwards, Elizabeth. 2001. Raw Histories : Photographs, Anthropology and Museums. Oxford [etc.]: Berg.

Edwards, Elizabeth (Hg.). 1992. Anthropology and Photography, 1860–1920. New Haven; London: Yale University Press.

Museumskommission der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft (Hg.). 1997. Das subjektive Objektiv: Sammlungen historisch-ethnographischer Photographien in der Schweiz. Bern: Schweizerische Ethnologische Gesellschaft.

Theye, Thomas (Hg.). 1989. Der geraubte Schatten: eine Weltreise im Spiegel der ethnographischen Photographie. München, Luzern: C. J. Bucher.

 

 

Isler, Andreas / von Wyss-Giacosa, Paola

Religion in Kisten


Proseminar
Do 16–18


Kann eine Religion durch bestimmte, für sie wesentliche Gegenstände veranschaulicht beziehungsweise in ihrem Grundsatz erfasst werden? Wollte man eine Kiste zu Buddhismus, Hinduismus, Judentum, Christentum oder Islam bestücken, welche Objekte würden darin platziert, und welches Ord-nungsprinzip nähme durch ein solches Vorhaben Form an? Wieweit lässt sich, was auf einer konkreten Ebene für eine Zusammenstellung von Gegenständen in Kisten gilt, auf einer abstrakten Ebene mit Theorien und ihren Kategori-sierungsbemühungen vergleichen? In diesem Sinne greift die Veranstaltung Fragen nach Ordnungssystemen auf und betrachtet dabei so unterschiedliche Bereiche und Ebenen wie Theorien über Religion, religiöse Symbole, einschlä-gige Lehrbücher, sakrale Raumausstattungen oder Selektionen von für eine Religion als repräsentativ erachteten Gegenständen. Wird in solch vielfältigen Konstrukten Religion als Phänomen auf ein bestimmtes Setting von Vergleich-barkeit reduziert oder zu Konstellationen gesteigerter Bedeutungsfülle konzentriert? Das Proseminar ist eine Einladung zu einer ethnographischen Expedition, nicht nur in das weite Gebiet der Selbst- und Fremdrepräsentation von Religionen, sondern auch zu den dazu eingesetzten geistigen und physischen Materialien.

 

 

Schaedler, Luc

Tibet im Film
Der Entstehungsprozess eines Dokumentarfilmes
(anhand von angry monk - reflections on tibet*)

Proseminar
Fr 10–12


Themen: Visuelle Anthropologie, Methode, oral history

In der Visuellen Anthropologie arbeiten wir meistens mit fertigen Produkten/Filmen. Selten wissen wir, wie sie entstanden sind. Die Entwicklung und Herstellung eines (ethnographischen) Filmes ist eine zeitraubende Angelegenheit: inhaltlich, methodisch und produktionell. Anhand meines eigenen Filmes "angry monk - reflections on tibet" möchte ich einen Einblick geben in diesen komplexen Prozess, der den Inhalt eines Filmes massgebend mitbestimmen kann. Ein Thema, das für die visuelle Anthropologie relevant ist.

Neben der Diskussion methodischer und theoretischer Aspekte, werden die TeilnehmerInnen im Proseminar auch Dokumentarfilme vorstellen, die in den letzten Jahren an der Universität Zürich entstanden sind, und als Lizentiatsarbeiten angenommen wurden (mit Anwesenheit der Autoren).

Aufwand: 2 Stunden (davon ca. je zur Hälfte Vorträge, Diskussion und gemeinsames Visionieren). Angry monk läuft ab 1. September im Kino Riff Raff in Zürich.

mehr Infos unter www.angrymonk.ch

 

 

Szalay Miklós
                                                                          
Kunstethnologisches Praktikum

2 Stunden nach Vereinbarung 
                                                                                                             Museumspraktikum

 
Fortsetzung der Arbeit an dem Ausstellungsprojekt «Die Macht der Wildnis. Das Tier in der afrikanischen Kunst». Nur für jene, die im letzten Semester am Praktikum teilgenommen haben.
 

 

Blockveranstaltung

Nippa, Annegret (ext.)

Die beste Form: Architektur für Getreide, Gäste, Gläubige und Herrscher 

Proseminar

ImBau

Bei Interesse bitte eine E-mail an Andreas Isler oder Annegret Nippa senden, damit die Veranstaltungstermine abgesprochen werden können.

Das Proseminar behandelt Beispiele einer "Architektur ohne Architekten" nicht im Kontext einer ethnographischen Baugeschichte, sondern unter der Frage, ob und welche Architektur in den Bereich der Kunst gehört.

Ethnographische Objekte als Kunstgegenstände zu betrachten, wird von einigen Ethnologen mit der Begründung abgelehnt, es fände sich keine adäquate Eingenbegrifflichkeit zum kunsttheoretischen Diskurs unserer Kultur. Künstler haben dagegen schon früh, d. h. im 16. Jahrhundert, exotische Objekte aus der Neuen Welt als Werke von unbekannten Kollegen betrachtet und waren von ihrer künstlerischen Qualität überzeugt. Im Bereich der Architektur erhielten Großanlagen schnell die Bewunderung, die einem Kunstwerk zukommt.

Im Proseminar werden alle, auch die schlichten Bauwerke alltäglicher Nutzung unter der Frage betrachtet, ob ihre Form aus einem rein funktionalen Anspruch resultiert, oder ob hinter der Form eine ästhetisch bewusste Anstrengung liegt. Wenn dem ästhetisch herausgehobenen Bauwerk eine gesellschaftlich hervorgehobene Bedeutung zukommt, ergibt sich die Frage, in welchen Gesellschaften die Architektur zu den "Künsten" zählt, bzw. wie sich Werke der Architektur innerhalb der materiellen Kultur einer Gesellschaft als eigenständige Leistung hervorheben – oder nicht.

Zur Einführung:
Bernhard Rudofsky; Architecture without Architects. A Short Intruduction to Non-Pedigreed Architecture. New York. 1964 (Austellungskatalog: Museum of Modern Art.)

 

ACHTUNG:

Die von Prof.Oppitz ursprünglich angebotenen Veranstaltungen finden wegen eines Forschungssemesters nicht statt!
 

 

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