Lehrveranstaltungen WS 2006/2007 im Völkerkundemuseum

weitere Veranstaltungen sowie die Einführungskurse finden Sie auf der
Homepage des ethnologischen Seminars.

die Lehrveranstaltungen vom Sommersemester 2006 finden Sie hier.

Museologiekurs 1

Brauen, Martin

Mo 14–15.45 (2-wöchentlich) oder n.V.; Beginn: 30.10.2006

Das Völkerkundemuseum bietet in regelmässigem Abstand einen sogenannten Museologie­kurs an – ein Pendant zum Feldforschungspraktikum am ESZ. Der Kurs, etwas zwischen Übung, Seminar und Praktikum, dauert in der Regel 4 Semester.

Im 1. Semester lernen die Teilnehmenden mit Museumsobjekten umzugehen. Im Vordergrund stehen Fragen wie: Was wird gesammelt und wie? Wie werden die Objekte katalogisiert und aufbewahrt? Wie werden sie restauriert? Besuche in anderen Museen und Referate von internen und externen Fachleuten sind vorgesehen. Im 1. Semester sollen die Studierenden eine Gruppe von Objekten dokumentieren und katalogisieren.

Im 2. Semester (SS 2007) stehen Fragen der Vermittlung im Vordergrund. Wie ausstellen? Welches ist der zeitliche und organisatorische Ablauf, wenn eine Ausstellung gemacht wird? Welches sind die einzelnen Phasen? Bereits im 1. Semester (falls sich die Gelegenheit ergibt), aber vor allem im 2. Semester wollen wir gemeinsam Ausstellungen besuchen und be­sprechen.

Im 3. und 4. Semester schliesslich soll ein eigenes Projekt in Angriff genommen werden. Das kann ein Gruppenprojekt sein, z.B. die Planung und das Machen einer Ausstellung, oder aber die Erschaffung einer virtuellen Ausstellung, eine Umfrage unter AusstellungsbesucherInnen etc. Parallel zum eigenen Projekt werden gemeinsam weitere Themen behandelt wie Ausstellungsfinanzierung, Werbung/PR.

Voraussetzung der Teilnahme am Museologiekurs: Besuch der Einführung durch Prof. Oppitz im SS 2006 oder der Übung «Museumsgeschichte: Theoretische Ansätze» im WS 2006/07 (Robert Bernal). Ausnahmen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Abklärungen möglich bis 8.9. und ab 25.10. bei Martin Brauen: 044 634 90 27 (brauen@vmz.unizh.ch). Weitere Auskünfte sind auch bei Renate Koller erhältlich (044 634 90 31; rekoller@vmz.unizh.ch).

 

Kunstethnologie III

Helg, Ursula

Proseminar, Mo 16.15–18, Beginn: 6. November 2006

Das Proseminar knüpft an die Veranstaltung von Prof. Szalay (Kunstethnologie II) im vergangenen Semester an. Zur Diskussion stehen zunächst die Rezeptionsgeschichte der aussereuropäischen Kunst und das Sammeln von Kunstobjekten und Ethnographika vor Ort. In der zweiten Semesterhälfte geht es um Primitivismuskritik. Wir diskutieren die seit den 1990er-Jahren vermehrt erscheinende kritische Literatur zum Primitivismus.

 

Anatomie von Ritualen in Wort und Bild

Oppitz, Michael

Seminar, Mi 10.15–12, Beginn: 8. November 2006

Rituale sind seit eh bevorzugte Gegenstände der Ethnologie, insbesondere der Religionsethnologie, gewesen. Wie man sich mit ihnen auseinandergesetzt hat, ist freilich ständigen Veränderungen unterworfen worden. Solche Veränderungen spiegeln die Wandlungen theoretischer Ansätze in der Zeit. Dies gilt einmal für die gesamtheitliche Deutung von Ritualen, aber auch für ihre scheinbar eindeutigen Abläufe. Auch in die sachliche Beschreibung ritueller Geschehnisse sind Meinungen und Urteile der Ethnologen eingeschrieben, deren ideologische Färbung nicht immer ohne Weiteres erkannt werden kann. Ziel der Veranstaltung ist es, anhand geschriebener und gefilmter Dokumente, die sich mit Ritualen befassen, solche Ansichten zu isolieren und ans Licht zu bringen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Bauelemente gerichtet werden, aus denen sich Rituale wie aus Fertigteilen zusammensetzen.

 

Portrait einer Lokalkultur: Die Magar

Oppitz, Michael

Seminar, Mi 14–15.45, Beginn: 8. November 2006

Diese Veranstaltung führt eine Serie fort, die vor Jahren begonnen wurde: die Beschäftigung mit einer einzigen Gesellschaft und ihren kulturellen Äusserungen, gesehen aus den unterschiedlichen Perspektiven unterschiedlicher Ethnologen. Eine jede dieser Gesamtschauen auf eine einzige begrenzte Lokalkultur im zeitlichen Rahmen eines einzigen Semesters verfolgt mehrere Ziele: die jeweils betreffende Kultur kennen zu lernen; die Ansätze der Ethnologen zu untersuchen, die ihre Portraits der betreffenden Kultur angefertigt haben; die Vielseitigkeit der Sujets nachzuvollziehen, unter denen selbst kleine Gesellschaften betrachtet werden können; und deren Reichtum zu erahnen. Die in diesem Semester der Betrachtung unterworfene Lokalkultur der Magar im westlichen Nepal/Himalaya war auch Gegenstand einer langzeitlichen Feldforschung des Seminarleiters, der sie in diversen Medien und unter zahlreichen Gesichtspunkten untersucht hat.

 

Museumsgeschichte: Theoretische Ansätze

Bernal, Robert

Übungen, Do 8-9.45

Thematisch schliesst die Veranstaltung an das von Professor Oppitz im vergangenen Semester abgehaltene Seminar mit dem Titel «Geschichte und Zukunft ethnographischer Museen» an. Das zeitliche Spektrum wird jedoch eingeengt, und zwar steht die Zeit seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum. Vor rund 150 Jahren wurden bedeutende Privatsammlungen in völkerkundliche Museen im nationalen Besitz umgewandelt. Seither machen Universität, Politik und Öffentlichkeit Ansprüche auf das Museum geltend und versuchen, die Aufgaben des Museums gemäss ihren spezifischen Interessen mitzubestimmen.

Mit der Etablierung der akademischen Ethnologie an den Universitäten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging eine Trennung der beiden Schwesterninstitute, Museum und Universität, einher. Die Separation von universitärer und museumsbezogener Ethnologie führte allmählich zu einem regelrechten Schisma zweier Arten von Wissenschaftspraxis. Diese Trennung wird oft anhand theoretischer und methodischer Kritik begründetet, aber auch ganz persönliche und oft unreflektierte Vorstellungen führen zu stereotypen Annahmen hinsichtlich der Sachkulturforschung innerhalb der Ethnologie. Auf welchen methodologischen, theoretischen und persönlichen Überzeugungen basierend formulierten die jeweiligen Wissenschaftler ihre Kritik am wissenschaftstheoretischen Umgang mit Artefakten? Welche Folgen hatte die Trennung der beiden Institutionen für die Fachdisziplin? Kann diese künstliche Teilung durch verbesserte Zusammenarbeit zwischen Museum und Universität überwunden werden? Welche strukturellen, theoretischen, methodischen, aber auch politischen Voraussetzungen wären dazu notwendig?

Durch fundierte Kenntnis der Fachgeschichte kann das aktuelle, aber ebenso auch das eigene wissenschaftliche Schaffen besser eingeordnet werden. Neben einem theoretischen soll jedoch auch ein politisches Bewusstsein den Blick auf das Studium der Ethnologie schärfen. Daher interessieren wir uns nicht nur für die Kritik postmoderner Autoren an ethnographischen Museumsmethoden, sondern blicken auch auf den Einfluss von ausserhalb der Akademie. Die Sammlungs- und Ausstellungspraxis wird nicht nur durch die Wissenschaft selbst geprägt, sondern wesentlich von Politik und Öffentlichkeit mitgestaltet. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Politik als Finanzgeberin die Museumsarbeit stark nach eigenen Vorstellungen zu lenken versucht und andererseits die Öffentlichkeit immer mehr ihr Mitspracherecht geltend zu machen sucht.

Eine der wohl spannendsten Erkenntnisse, die diese Veranstaltung aufzeigen möchte, ist, dass heute von namhaften Autoren im Themenkreis der Globalisierung erneut dazu aufgefordert wird, die Bewegung von Dingen im Raum zu studieren. Ein nicht ganz neuer Ansatz, wenn man bedenkt, dass der Diffusionismus (entwickelt an ethnographischen Museen) dies bereits um 1900 gefordert hatte.

 

Film als Methode (Visuelle Anthropologie)

Schaedler, Luc

Do 10.15–12; Beginn: 2.11.2006

Übungsraum VKM

Das ethnographische Interview – unterschiedliche Methoden der Gesprächsführung
(mit praktischen Übungen)

Im Zentrum fast aller ethnologischen Untersuchungen steht das Gespräch mit den Protagonisten der Forschung. Ob das Gespräch nun frei, strukturiert oder semi-strukturiert stattfindet, hängt einerseits vom Forschungsgegenstand ab, andererseits aber auch von der Form der geplanten Arbeit und dem «Publikum» an die sie sich richtet. Anhand theoretischer Texte, von Filmbeispielen und praktischen Übungen (mit Kamera) sollen die verschiedenen Methoden diskutiert und auch ausprobiert werden. Das Proseminar richtet sich gleichermassen an StudentInnen, die visuell arbeiten wollen, und/oder an solche, die eine Feldforschung ins Auge fassen.

Die studentischen Arbeiten im Proseminar können schriftlicher oder visueller Natur sein.

Themen:

Visuelle Anthropologie, Methode, Oral History, Feldforschung

Aufwand:

Ca. 2 Std./Woche

 

Doktorandenkolloquium

Oppitz, Michael

Do 14–15.45, Beginn: 9. November 2006

Die Gesprächsrunde mit Doktorierenden hat zum Ziel, den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, über ihr jeweiliges Forschungsthema zu referieren und dabei den Stand ihrer Arbeit zu reflektieren. Die anderen Teilnehmer haben im gleichen Zuge die Gelegenheit, ihre eigenen Standpunkte zu den vorgetragenen Themen zu äussern und sie am Stand ihrer eigenen Arbeit zu messen. Die Veranstaltung ist auf Doktoranden beschränkt.

 

Die Sprache der Textilien II

Isler, Andreas / von Wyss, Paola

Proseminar, n. V.

Nach dem ersten Semester, der uns einen Überblick verschaffte, gehen wir im kommenden Semester anhand einzelner Themen in die Tiefe. Es können keine neuen Mitglieder zur bestehenden Gruppe hinzustossen.

 

weitere Veranstaltungen sowie die Einführungskurse finden Sie auf der
Homepage des ethnologischen Seminars.