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Annette Hug

Ein Traum der Welt – WOZ-Kolumne 11. Dezember 2025

«Rumoren an der Limmat»

«Was 'maghalikwat' heisst, wussten selbst andere Filipinas nicht. Doris, die den Dialekt von Batangas spricht, stellte das Wort in Gesten dar. Als würde sie in der Luft schwimmen. 'Wühlen' hiess das vielleicht – aus einer vollgefüllten Kiste ausgraben, darin eintauchen, alles rausreissen und von sich werfen. Da waren wir schon beim Apéro des Kick-off von 'Rumble in the Archive'. (...)»

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Annette Hug ist Autorin, Übersetzerin und Mitglied des studiyo filipino.

Im Projekt 'Stranger in the City" erstellte Salim Umar Ofenkacheln der drei Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius. Gestaltung/Foto: Salim Umar

Mandy Abou Shoak

Eröffnungsrede beim Kick-off am 5. Dezember 2025

Mandy Abou Shoak ist Stadtzürcherin, Sozialarbeiterin, Menschenrechtsaktivistin
mandyaboushoak.ch

Guten Abend,
Liebe Kolleg:innen
Liebe Gäste

Ich freue mich sehr heute hier zu sein.

Ich freue mich heute hier zu sein
und diesen Moment, diesen Abend mit euch allen zu teilen

Und: Ich möchte diesen Moment, diesen Abend langsam beginnen. Vielleicht indem wir kurz ankommen.
Im Raum.
In uns.
Bei den Menschen, die neben uns sitzen,
neben uns stehen, neben uns atmen.

...

Wir sind hier,
um etwas zu öffnen –
aber bevor wir öffnen,
dürfen wir uns selbst verorten.

Wenn es für euch stimmig ist,
schliesst kurz die Augen.

leg deine Hände ineinander
leg deine Hände auf deinen Bauch
oder dein Herz
So wie es für dich stimmt.

Und dann

Atmet einmal ein…
und aus.
und nochmals ein
und aus
Und noch ein letztes Mal bewusst
ein und aus

Spürt für einen Moment:
Wie geht’s dir in deinem Körper.

Was tut sich da gerade?
Was spürst du?

Und nun versucht mal
dich selbst gedanklich zu berühren.
versuch dich selbst gedanklich zu berühren.
Wie fühlt sich das an?
geht es?
Geht es nicht?

Beides ist okay.

Atme nochmals tief ein und aus.
Halt die Augen geschlossen
 
Leg deine Hände ineinander.
Spür die Wärme zwischen deinen Händen.

Spür dich selbst.
Nicht nur deine Haut.
Sondern deinen Tag.
Spür die Interaktionen die du heute hattest.
Spür die Interaktionen die du gestern hattest.

Vielleicht spürst du sogar die Interaktionen
die deine Eltern hatten.

Fragmente, die dich geprägt haben.
Erfahrungen, die du mitträgst.
Auch jene, die keinen Namen haben.
Vielleicht sogar jene, die du lange weggeschoben hast.

Und nun atme nochmals tief ein und aus.
und öffne deine Augen.

So wie wir unseren Körper in diesem Moment berühren,
berühren wir auch unsere Vergangenheit, wenn wir uns ihr annähern.
Wir berühren sie vorsichtig, tastend,
nicht wissend, was auftaucht –
aber bereit, hinzuhören.

Diese Berührung schafft Gegenwart.
Und Gegenwart ist das Material,
aus der Zukunft entsteht.
 

Wir sind heute nicht hier,
um einen fertigen Raum zu eröffnen,
Wir sind heute hier, um einen Prozess zu eröffnen.

Rumble in the Archive lädt uns ein,
etwas Gemeinsames zu tun:
unsere Erinnerungen zu berühren –
und zu spüren, was sie mit unserer Zukunft machen.

Denn Archive sind nicht nur Orte der Aufbewahrung.
Sie sind Orte der Beziehung.

Zwischen dem, was war,
dem, was durch uns hindurch wirkt,
und dem, was möglich wird.

Die Stadt Zürich bewegt sich gerade.

Mit der neuen Strategie zur Erinnerungskultur
hat sie anerkannt,
dass Erinnern nie abgeschlossen und nie neutral ist.
Dass es ein Feld ist,
in dem sich Macht,
in dem sich Gefühle, Erfahrung und Schweigen begegnen.

Die Auslegeordnung Erinnerungskultur zeigt,
wie sehr Erinnerung von Spannungen lebt
und dass diese Spannungen notwendig sind für eine lebendige Demokratie.

Wenn wir unsere Vergangenheit berühren,
so wie vorhin unseren Körper,
wird sie nicht mehr abstrakt.
Sie wird gespürt.
Sie wird gegenwärtig.

Und was gegenwärtig wird,
hat Einfluss darauf,
wie wir handeln,
wie wir sehen,
wie wir Zukunft denken.

Zukunft ist nicht das, was später kommt.
Zukunft entsteht immer schon hier:
im Kontakt mit dem, was wir nicht länger wegschieben.

Wenn wir gemeinsam in die Archive schauen,
dann stehen wir nicht alle am gleichen Ort.

Wir sind verwoben –
als Menschen, die Gewalt erfahren haben,
als Menschen, die Gewalt weitergeben,
als Zeuginnen,
als Profiteur
innen,
als Betroffene.

Positionalität ist nicht statisch.
Sie verändert sich,
wenn wir zuhören.
Wenn wir uns irritieren lassen.
Wenn wir Verantwortung wachsen lassen –
nicht als Schuld,
sondern als Beziehung zwischen uns und der Welt.

Wir erinnern immer aus einem bestimmten Körper heraus,
aus einer bestimmten Geschichte,
aus einer bestimmten Perspektive.

Dieses Bewusstsein macht Räume wie diese notwendig.

Das Ethnografische Museum,
die Sammlungen, die Objekte –
sie tragen Spuren von Macht, von Entzug,
von kolonialen Perspektiven.

Rumble in the Archive versucht nicht, diese Vergangenheit zu übertönen.
Es lädt uns ein, sie neu zu berühren.
Uns an ihr zu reiben.
Fragen zu stellen, die die bisherigen Antworten verschieben.

Die postkolonialen Ansätze zum Umgang mit Denkmälern zeigen: Wir müssen nichts zerstören,
aber wir dürfen alles befragen.
Wir dürfen kontextualisieren,
verschieben, durchlässiger machen.

So wie wir zu Beginn unseren Körper berührt haben,
berühren wir jetzt die Archive dieser Stadt –
achtsam, wach, in Beziehung.

Afrofuturistische Perspektiven –
unter anderem von Ytasha Womack –
erinnern uns daran,
dass Zukunft nicht einfach ein Ziel ist,
sondern eine Haltung:

die Bereitschaft,
unsere Verflechtungen zu sehen,
unsere Muster zu erkennen,
unsere Geschichten neu zu erzählen.

Nicht als Flucht vor der Vergangenheit,
sondern als bewusste Beziehung zu ihr.

Bevor wir über Objekte sprechen,
bevor wir über Konzepte,
über Strategien,
möchte ich eine Frage mit euch teilen:

Was wird möglich,
wenn wir unsere Vergangenheit so berühren,
wie wir uns selbst berühren könnten –
mit Klarheit,
mit Zärtlichkeit,
mit Verantwortung?

Vielleicht ist das der eigentliche "Rumble":
nicht der Lärm,
sondern die Resonanz.
Nicht das Umstürzen,
sondern das behutsame Verschieben.
Nicht das Vergessen,
sondern das Bewusstwerden.

Ich danke euch,
dass ihr heute hier seid.
Dass ihr mit eurer Geschichte gekommen seid.
Und dass wir sie heute in Beziehung setzen
miteinander
und mit dieser Stadt,
deren Zukunft wir gemeinsam berühren.

Lenny Bugayong

«Willkommen zu unserer Residency»

Blogbeitrag 28. November 2025

«In 2014, when a student of mine first pointed out to me that there were objects from the Philippines kept at the Zurich Ethnographic Museum, my curiosity was not primarily aroused by a scientific interest (in the objects or their history). I suppose I simply felt a sense of affiliation. After all, I am a resident of Zurich myself, but it was my parents who chose this place to be my home (instead of the Philippines). Somehow, I therefore imagined that those objects and I had something in common. (...)»

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Lenny Bugayong ist Linguistin, Übersetzerin und Co-Gründerin von studiyo filipino.

Lenny Bugayong hält eine Ansprache.
Lenny Bugayong spricht beim Kick-off des Projekts "Rumble in the Archive". Foto: Melissa Caflisch