Header

Suche

Medienmitteilung

Zürich, 20. März 2026

UZH gibt Benin-Bronzen aus dem Völkerkundemuseum an Nigeria zurück

Die Universität Zürich hat entschieden, 14 Objekte aus ihrem Völkerkundemuseum an die Bundesrepublik Nigeria zu restituieren. Die Objekte stammen ursprünglich aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria und sind für die dortige Bevölkerung von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung.

Die National Commission for Museums and Monuments (NCMM) in Nigeria hat im März 2024 im Auftrag der nigerianischen Regierung eine formelle Restitutionsforderung für 14 Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich (UZH) gestellt. Die Universität Zürich (UZH) hat entschieden, dieser Forderung nachzukommen.

Verantwortungsvoller Umgang mit kolonial geprägten Objekten

«Als Universität möchten wir uns kritisch mit der Herkunft der Kulturgüter in unseren Sammlungen auseinandersetzen und einen verantwortungsvollen Umgang damit finden», sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung an der UZH. «Die Provenienzforschung zu den Benin-Bronzen im Völkerkundemuseum hat ergeben, dass ein Grossteil dieser Objekte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geraubt wurde, bevor sie in unseren Besitz gelangten. Deshalb geben wir sie zurück.»

Bis heute sind die betroffenen Artefakte für die Menschen in Nigeria von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung. NCMM-Generaldirektor Olugbile Holloway nimmt den Entscheid mit grosser Genugtuung zur Kenntnis: «Die Restitution wird auf jeden Fall dazu beitragen, bestimmte Aspekte unserer kolonialen Vergangenheit zu heilen. Ich bin sicher, dass der Königspalast von Benin, die Bevölkerung von Benin und alle Nigerianerinnen und Nigerianer die Symbolik dieser bedeutsamen Rückgabe aufrichtig zu schätzen wissen.»

Bis zum 8. März 2026 waren die Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der UZH Teil der Ausstellung «Benin verpflichtet». Aktuell werden sie umfassend digitalisiert. 14 der Objekte werden bis Ende August ins Nigerian National Museum in Lagos überführt, wo sie die National Commission of Museums and Monuments (NCMM), als Vertreterin der Bundesrepublik Nigeria, in Empfang nehmen wird.

Gemeinsame Restitution mit Museum Rietberg und Musée d’ethnographie de Genève

In den letzten Jahren kam es bereits zu anderen bedeutenden Restitutionen: 2022 übertrugen deutsche Museen rund 1100 Objekte an Nigeria, 2025 folgte die Rückgabe von 119 Objekten durch die Niederlande. Im Februar 2026 hat die University of Cambridge über die Eigentumsübertragung von 116 Objekte an Nigeria informiert.

Zeitgleich mit dem Völkerkundemuseum der UZH restituieren auch das Museum Rietberg (MRZ) und das Musée d’ethnographie de Genève (MEG) geplünderte Kulturgüter aus dem Königtum Benin an Nigeria. Die Direktorinnen der drei Schweizer Museen, Dr. Carine Ayélé Durand (MEG), Dr. Annette Bhagwati (Museum Rietberg) und Prof. Dr. Alice Hertzog (Völkerkundemuseum der UZH), halten in einer gemeinsamen Stellungnahme fest:

«Im Rahmen der Benin Initiative Schweiz haben unsere Museen die Herkunft ihrer Benin-Werke mit wissenschaftlicher Sorgfalt und im engen Austausch mit nigerianischen Partner:innen erforscht. Die Ergebnisse lassen keinen Zweifel zu: Eine Reihe von Objekten gelangte im Zuge des britischen Angriffs auf das Königtum Benin im Jahr 1897 durch Plünderung und über den internationalen Kunsthandel in unsere Sammlungen.

Die Übergabe der Benin-Bronzen an Nigeria schafft die Grundlage dafür, dass das Land seine Geschichte auf eigene Weise erforschen, bewahren und vermitteln kann. Als Schweizer Museen und Institutionen, die sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst sind und den Dialog mit Herkunftsgesellschaften aktiv suchen, befürworten wir den Eigentumstransfer. Er ist ein notwendiger Schritt der historischen Aufarbeitung, ein Zeichen des Respekts – und ein Ausdruck gelebter internationaler Zusammenarbeit.»

Am Freitag, 20. März 2026, um 17 Uhr informieren die drei Museen im Stadthaus Zürich gemeinsam über den Beschluss zur Restitution bzw. zur Eigentumsübertragung der Benin-Bronzen in ihren Sammlungen.

Historischer Kontext

1897 plünderten britische Soldaten den Königspalast in Benin im heutigen Nigeria und beschlagnahmten Tausende von Artefakten – darunter Reliefs, Ahnendarstellungen und rituelle Gegenstände. Diese gelangten als sogenannte Benin-Bronzen über den internationalen Kunsthandel in Museen und Sammlungen weltweit. Das Rohmaterial stammte teils aus Europa und wurde im Rahmen des transatlantischen Handels unter anderem gegen gefangene Afrikaner:innen eingetauscht, die verschleppt und an europäische Sklavenhändler verkauft wurden.

 

Benin Initiative Schweiz (BIS)

2021 schlossen sich acht Schweizer Museen unter Leitung des Museums Rietberg zusammen, um gemeinsam mit nigerianischen Partnerinnen und Partnern die Herkunft ihrer Benin-Artefakte zu erforschen. Insgesamt befinden sich 96 Objekte in den beteiligten Häusern in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz, darunter das Musée d'ethnographie de la Ville de Genève (9), das Museum Rietberg (16) und das Völkerkundemuseum der Universität Zürich (18). Im Zuge der mehrjährigen Forschungsarbeit innerhalb der BIS wurde nachgewiesen, dass 14 der 18 Artefakte im Völkerkundemuseum mit hoher Wahrscheinlichkeit geplündert wurden und daher restitutionswürdig sind. Prof. Dr. Alice Hertzog, die heutige Direktorin des Völkerkundemuseums UZH, hat eine zentrale Rolle gespielt bei der Provenienzforschung in allen beteiligten Museen der Benin Initiative Schweiz  (2021–2024). Das Bundesamt für Kultur (BAK) förderte das Forschungsprojekt.

Alle Forschungsergebnisse sind öffentlich zugänglich unter: musethno.uzh.ch/de/bis

 

Kontakte

Völkerkundemuseum der Universität Zürich
Prof. Dr. Alice Hertzog, Direktorin
+41 44 634 90 25
hertzog@vmz.uzh.ch

Media Relations
Universität Zürich
+41 44 634 44 67
mediarelations@kommunikation.uzh.ch

Download (PDF, 122 KB) Medienmitteilung 20.03.2026

Rechtlicher Hinweis

Urheberrecht

Alle Inhalte, Texte, Bilder, Graphiken, Fotografien oder sonstige Dateien auf unserer Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Sie gehören ausschliesslich der Universität Zürich bzw. den ausdrücklich genannten Rechteinhabern. Die Verwendung jeglicher Elemente – insbesondere die kommerzielle Verwendung – durch Dritte ist untersagt, sofern nicht die ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Urheberschaft vorliegt bzw. von Dritten vorgängig eingeholt wurde. Durch das blosse Herunterladen oder Kopieren von Inhalten, Texten, Bildern, Graphiken, Fotografien oder anderen Dateien werden keinerlei Rechte übertragen.

Nutzungserlaubnis für Medienvertreter:innen

Die auf unserer Webseite ausdrücklich als «Pressebilder» bezeichneten Bilddateien, Graphiken oder Fotografien dürfen ausschliesslich von Medienvertreterinnen und Medienvertretern (kostenlos) genutzt werden, sofern die Medienberichterstattung im Zusammenhang mit einer bereits vergangenen, aktuell stattfindenden oder künftigen Ausstellung erfolgt. Die vorgenannte Nutzung muss zwingend den folgenden Bildnachweis enthalten: © Völkerkundemuseum der Universität Zürich bwz. andere:r Rechteinhaber:in, Foto: jeweiliger Vorname Name. Jede weitere Verwendung ist untersagt.

Weiterführende Informationen

Medienbilder

Generaldirektor NCMM Olugbile Holloway und Prorektor Christian Schwarzenegger.Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Vier der restitutierten Objekte

Mehr zu Vier der restitutierten Objekte

Generaldirektor NCMM Olugbile Holloway, Legal Adviser Babatunde Adebiyi (NCMM) und zwei Vertreter des königlichen Palasts betrachten vier Benin-Artefakte. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Olugbile Holloway

Mehr zu Olugbile Holloway

Generaldirektor der National Commission for Museums and Monuments NCMM. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Olugbile Holloway

Mehr zu Olugbile Holloway

Generaldirektor der National Commission of Museums and Monuments NCMM. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Vertreter Nigeria und Palast

Mehr zu Vertreter Nigeria und Palast

Vnlr: Chief Nosakhare Nelson Agbonif,  Generaldirektor NCMM Olugbile Holloway, Legal Adviser NCMM Babatunde Adebiyi, Chief Osas Gabriel Edebor-Asuen. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Vnlr: Chief Nosakhare Nelson Agbonif, Babatunde Adebiyi (Legal Adviser NCMM ), Alice Hertzog (Direktorin Völkerkundemuseum UZH), Annette Bhagwati (Direktorin Museum Rietberg), Joëlle Bertossa (Stadträtin Genf), Carine Ayélé Durand (Direktorin MEG), Corine Mauch (Stadtpräsidentin Zürich), Olugbile Holloway (Generaldirektor NCMM), Christian Schwarzenegger (Prorektor UZH), Chief Osas Gabriel Edebor-Asuen. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Generaldirektor NCMM Olugbile Holloway unterschreibt den Vertrag; rechts Legal Adviser NCMM Babatunde Adebiyi, links Chief Osas Gabriel Edebor-Asuen. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Stadtpräsidentin Corine Mauch unterschreibt den Vertrag. Links Chief Osas Gabriel Edebor-Asuen und Generaldirektor NCMM Olugbile Holloway, rechts Legal Adviser NCMM Babatunde Adebiyi. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Vlnr: Annette Bhagwati (Museum Rietberg), Alice Hertzog (Völkerkundemuseum UZH), Carine Ayélé Durand (Musée d'ethnographie de Genève MEG). Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Chief Nosakhare Nelson Agbonifi

Mehr zu Chief Nosakhare Nelson Agbonifi

Repräsentant des Palastes. Foto: Museum Rietberg, Matthias Willi, 2026.

Die nigerianische Historikerin Enibokun Uzebu-Imarhiagbe sichtet mit Alice Hertzog und Alexis Malefakis Objekte aus dem Königtum Benin. Foto: Kathrin Leuenberger, 2021.

Diese Reliefplatte zeigt Oba-Zwillinge, also zwei Königsfiguren. Britische Truppen haben die Platte wahrscheinlich im Jahr 1897 während des Angriffs auf das Königreich Benin im heutigen Nigeria geplündert. Inv. Nr.: VMZ 10 004. Foto: Kathrin Leuenberger, 2024.

Reiterfigur aus dem Königtum Benin

Reiterfigur aus dem Königtum Benin

Mehr zu Reiterfigur aus dem Königtum Benin

Der hier angefügte Kopf gehört eigentlich nicht zur Figur. Er ist einem Kopf im British Museum nachgebildet. Wo der originale Kopf ist, und wie die Reiterfigur ihn verloren hat, ist unbekannt. Inv.-Nr.10007; Foto: Kathrin Leuenberger, 2024.

Die Uhunmwu-Ẹkuẹ (Anhängermaske) aus dem Königtum Benin wurde vermutlich im britischen Kolonialkrieg 1897 geraubt und gelangte über den Schweizer Sammler Han Coray in die Sammlung des Völkerkundemuseums. Inv.-Nr. 10009; Foto: Kathrin Leuenberger, 2021.

Beschnitzter Elefantenstosszahn

Beschnitzter Elefantenstosszahn

Mehr zu Beschnitzter Elefantenstosszahn

Dieser Aken'ni Elao wurden im Königreich Benin (Nigeria) zusammen mit sogenannten Gedenkköpfen der verstorbenen Könige auf Ahnenaltären verwendet. Als die Briten Benin 1897 plünderten, trennten sie die Stosszähne von den zugehörigen Gedenkköpfen. Dieser Aken'ni Elao weist am unteren Ende Brandspuren auf, die von der Plünderung zeugen. Inv.-Nr. VMZ 10 013. Foto: Kathrin Leuenberger, 2025.

Gedenkkopf einer Königinmutter

Gedenkkopf einer Königinmutter

Mehr zu Gedenkkopf einer Königinmutter

Die Iy’Ọba (Königinmutter) ist eine wichtige Person in der politischen Hierarchie des Königtums Benin im heutigen Nigeria. Solche Uhunmwu elao ọghe Iy’ọba standen auf dem Ahnenaltar im Schrein einer Königinmutter und dienten dazu im täglichen Kontakt mit der Ahnin zu bleiben. Dieser Gedenkkopf wurde wahrscheinlich 1897 von britischen Truppen geraubt. Über den Kunsthandel gelangte er 1940 in die Sammlung der Universität Zürich. Inv.-Nr. VMZ 10 002. Foto: Kathrin Leuenberger, 2024.